Du hast einen Godwinpunkt überreicht bekommen? Na dann:

Herzlichen Glückwunsch,
du hast die Debatte gewonnen!

Du bist der glückliche Gewinner der Debatte, weil du als erster einen Hitlervergleich angestellt oder einfach "Nazi!" geschrien hast. Damit hast du dich zwar um die mühsame Auseinandersetzung mit dem Thema gedrückt und keine inhaltlichen Argumente vorgebracht, aber für den unbedarften Zuschauer sieht es trotzdem so aus, als ob deine Seite moralisch weit über der anderen steht.

Grübelnder Smiley

Na ja, nicht ganz! Dein Debattiergegner hat den fadenscheinigen Trick durchschaut, dir einen Godwinpunkt überreicht und dich damit dem Spott der Zuschauer preisgegeben. Der Godwinpunkt geht zurück auf das ironische Godwins Gesetz (von Rechtsanwalt und Sachbuchautor Mike Godwin 1990 erfunden):

Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand in einer (Online-)Diskussion einen Nazi- oder Hitlervergleich einbringt, nähert sich mit zunehmender Dauer der Diskussion dem Wert Eins an.

Der überreichte Godwinpunkt ist somit das Gegengift zum billigen Nazivergleich, um die scheinbar gewonnene Debatte nicht vorzeitig zu beenden und sie von der hypermoralischen zurück auf die sachliche Ebene zu bringen.

Eng verwandt mit diesem rhetorischen Kniff ist der vielgebrauchte Fehlschluss reductio ad Hitlerum, wonach alles zu verteufeln sei, was Hitler oder andere Nationalsozialisten gut fanden oder getan haben. Wer auf diesem Niveau argumentiert, dem dürfte bald die Luft ausgehen – bekanntlich hat Hitler geatmet.

Wie willkürlich im Übrigen Hitlervergleiche sind, sei anhand eines markanten Beispiels veranschaulicht: Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) befürwortete 1999 als Außenminister den ersten deutschen Kriegseinsatz nach dem Zweiten Weltkrieg, der sich gegen Jugoslawien richtete. Es lag nahe, dass seine Kriegspolitik mit einem Nazivergleich konfrontiert werden würde. Doch listig, wie Fischer war, kam er dem durch einen entgegengesetzten Hitlervergleich zuvor, indem er die Politik des jugoslawischen Präsidenten Milošević als Wiederkehr des Nationalsozialismus bezeichnete – ganz nach dem Motto: Wer zuerst (oder am lautesten) "Nazi!" schreit, hat gewonnen.

Einen Godwinpunkt zu erhalten ist keine Schande – jeder Debattieranfänger, der in die Enge getrieben wird, greift früher oder später auf diese Taktik als Notlösung zurück. So gesehen markiert die erstmalige Überreichung eines Godwinpunktes nur einen wichtigen Lerngewinn auf deiner hoffentlich großartigen Debattierkarriere. Peinlich wird es erst beim zweiten Godwinpunkt! Spätenstens beim dritten solltest du dir aber ernsthaft Gedanken darüber machen, ob politische Debatten das Richtige für dich sind.

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